Leidenschaft in der Entwicklung

Software Entwickler zu sein bedeutet permanent im digitalen Universum zu stecken. Als Software Entwickler zu arbeiten bedeutet zusätzlich 8h+ am Tag vor dem Monitor zu sitzen und auf der Tastatur zu tippen. Und damit ist nicht einmal der private Medien-Konsum abgedeckt (wie zum Beispiel diesen Blog zu schreiben).

Warum sich das also an tun? Früher hat man gesagt: “Du bekommst viereckige Augen”, heute schauen selbst die Mütter stundenlang auf das Smartphone und in den TV.

Ich habe mich für die Software Entwicklung entschieden, da JEDER, ob groß, klein, jung, alt, dick, dünn, erschaffen kann. Aus dem nichts und ganz ohne Material. Nur ein PC ist notwendig. Und doch kann soviel erreicht werden. Und die Software Entwicklung kann noch mehr: sie verzeiht. Fehler entstehen ständig, und sie können rückstandslos entfernt werden. Das geht bei einem falsch gebohrten Loch in der Wand nicht.

Am Anfang war die Programmierung für mich ein großes Mysterium. Programmierer waren die Magier mit Kapuzen-Pullis statt Magierhüten und Kaffeetassen statt Zaubertrank-Phiolen. Keiner versteht, was sie tun, wenn sie sprechen, klingt es wie aus einer anderen Welt. Ein Programm auf dem Computer zu ändern, einfach so, schien als aussenstehender schier unmöglich und muss für den Programmierer unmengen an Kraft kosten. Das war mein Bild von damals.

Heute bin ich einer von Ihnen. Mit Kaffee in den Adern. Und den “digitalen Fingern”. Aber ohne Kapuze.

Wenn ich programmiere, ist es als wäre ich wieder ein Kind und spiele mit meinen Lego-Bausteinen. Am Anfang ist es ein großes Meer aus Einzelteilen, nach und nach setzt man eins auf das andere. Texte werden nicht mehr als Texte sondern Strukturen und Wege gesehen, Muster bilden sich vor dem inneren Auge, ja sogar ganze Möglichkeiten-Bäume klappen sich instinktiv im Kopf aus. Bereits vorhandenes wird an anderen Stellen wieder benutzt, statt neu programmiert, auch in der Software Entwicklung zieht die Gunst des Recyclings ein. Weg von der Weg-Werf-Gesellschaft. Wer Weg-Werf-Programme schreibt, hat da etwas falsch verstanden und sollte seine Berufs-Wahl noch einmal überdenken.

Als Programmierer siehst du keinen Text, sondern ein großes ganzes und deren Zusammenhänge. Ein bisschen wie im Film Matrix mit der Frau in dem roten Kleid.

Die Software Entwicklung ist für mich eine Leidenschaft. Ich nutze sie um meine Brötchen zu verdienen, natürlich, viel lieber jedoch will ich sie einsetzen um die Welt zu erweitern. Open Source Projekte fördern, Wissen nutzen und verteilen, Programme erzeugen, die anderen helfen. Geben, statt nehmen. und im Umkehrschluss scheint dadurch dann trotzdem mein Job wieder meine Leidenschaft zu sein. Ein Kreis also.